Was KI kann und wofür es den Creator braucht

Jede KI-App erzeugt inzwischen Plakate. Warum sich eine Organisation trotzdem ein eigenes Gestaltungswerkzeug anschaffen sollte, und wo im InfoGrafik-Creator selbst KI steckt.

In Gesprächen mit Geschäftsführungen und Vorständen kommt eine Frage fast immer, manchmal direkt, manchmal als Nebensatz: Brauchen wir so etwas überhaupt noch, wenn unsere Leute ihre Grafiken mit ChatGPT oder Gemini machen? Die Frage ist berechtigt. KI-Werkzeuge sind schnell, oft kostenlos und für viele inzwischen Alltag.

Die Antwort lautet trotzdem: Ja, gerade dann. KI und Creator erledigen unterschiedliche Arbeit. Die KI ist gut darin, Ideen und Motive zu liefern. Der Creator sorgt dafür, dass daraus Grafiken werden, die nach der eigenen Organisation aussehen, die sich ändern lassen und die niemanden in Schwierigkeiten bringen. Und der Creator nutzt selbst KI, an genau den Stellen, an denen sie hilft.

Drei Regeln für KI im Creator

Wo der Creator KI einsetzt, gelten drei Regeln.

Erstens funktioniert der Creator ohne KI. Gestalten, Bearbeiten und Exportieren laufen vollständig im Browser, ohne dass Inhalte an einen KI-Dienst gehen. Wer KI nicht nutzen will oder darf, verliert keine Grundfunktion.

Zweitens kostet die KI die Nutzenden nichts. Niemand im Team braucht ein eigenes Konto oder ein eigenes Abo.

Drittens entscheidet die Organisation. Der KI-Vorlagen-Generator ist im Grundzustand aus. Er arbeitet erst, wenn die Organisation in der Verwaltung einen eigenen Schlüssel für Claude von Anthropic oder Gemini von Google hinterlegt. Ohne Schlüssel entsteht keine Verbindung.

Video: Jana, Uwe und das Stadtteilfest

Wo KI im Creator arbeitet

KI steckt an vier Stellen im Creator: in der Entwicklung, beim Anlegen von Vorlagen, beim Freistellen von Fotos und im Support.

In der Entwicklung

Der Creator entsteht bei kulturmanagement-online.de gemeinsam mit Claude von Anthropic. Was der Creator können soll und wie er sich anfühlen soll, entscheidet ein Mensch. Die KI schreibt einen großen Teil des Codes, prüft ihn und hilft beim Testen. Das fertige Programm läuft ohne KI im Hintergrund.

Für Organisationen hat diese Arbeitsweise zwei Folgen. Ein kleines Team kann einen Funktionsumfang anbieten, für den sonst eine ganze Entwicklungsabteilung nötig wäre: Faltflyer mit Druckerei-PDF, Urkunden und Namensschilder als Serie aus einer Tabelle, Karten, QR-Codes, Abreißzettel, Social-Media-Formate mit sicheren Zonen. Und Wünsche aus der Praxis lassen sich oft in Tagen umsetzen statt in Monaten.

Auch jede Ausgabe des Creators wird mit KI-Unterstützung auf die jeweilige Organisation zugeschnitten. Für eine Anfrage genügen die Adresse der eigenen Website und, falls vorhanden, Unterlagen zum Corporate Design. Logo, Farben, Schriften und erste Vorlagen werden daraus abgeleitet und dann gemeinsam abgestimmt.

Beim Anlegen von Vorlagen

Vorlagen sind das Herzstück des Creators. Wer eine Grafik braucht, öffnet eine Vorlage, trägt Text ein, tauscht das Foto und exportiert. Damit das funktioniert, muss jemand die Vorlagen einmal anlegen. Genau dabei hilft der KI-Vorlagen-Generator im Organisations-Modul.

Admins beschreiben dort in ein paar Sätzen, was sie brauchen, zum Beispiel: ein Hochformat-Plakat für eine Lesereihe, oben ein großes Foto, darunter Titel, Name der Autor*in, Termin und ein QR-Code zur Anmeldung. Die KI baut daraus einen Vorlagenentwurf in den Farben und Schriften der Organisation.

Auf Wunsch dient auch ein vorhandenes Plakat oder ein alter Flyer als Vorbild. Diese Funktion ist als Beta gekennzeichnet und muss eigens eingeschaltet werden. Die KI baut dann das Layout nach: Fotos werden zu Platzhaltern, ein Logo wird zum Logo der Organisation, Texte werden übernommen oder durch Platzhalter ersetzt. So werden Entwürfe wieder nutzbar, die bisher nur als PDF oder Bild vorlagen, etwa die Gestaltung einer Agentur aus früheren Jahren.

Jeder Entwurf lässt sich im Creator wie jede andere Vorlage weiterbearbeiten, bevor er für das Team freigegeben wird. Dabei lässt sich für jedes Element festlegen, wie viel das Team daran ändern darf: frei, nur den Inhalt oder gar nicht. Logo und Kopfzeile bleiben dann, wo sie hingehören.

Die KI arbeitet also an einer Stelle, in der Verwaltung, und alle anderen profitieren von den fertigen Vorlagen.

Beim Freistellen

Wer eine Person vor einem anderen Hintergrund zeigen oder ein Produkt ohne störende Umgebung abbilden will, stellt das Foto frei. Ein Rechtsklick auf das Bild genügt. Im selben Fenster lässt sich der Hintergrund auch weichzeichnen oder einfärben, eine Kontur mit Schatten hinzufügen und das Bild auf das Motiv zuschneiden.

Das KI-Modell dafür läuft im Browser. Beim ersten Mal lädt der Creator die Modelldateien einmalig vom eigenen Server, danach geht es sofort. Das Foto verlässt den Rechner nicht. Ein zusätzliches Bildbearbeitungsprogramm oder ein kostenpflichtiger Freistell-Dienst ist dafür nicht nötig.

Im Support

Huxley, der Hilfe-Chat, kennt die Anleitung, die häufigen Fragen und die Preisseite und antwortet rund um die Uhr. Er startet erst nach einem Klick, und die Organisation kann den Verweis auf ihn abschalten. Für alles, was eine verbindliche Auskunft braucht, bleibt der Helpdesk mit echten Menschen.

Was KI allein nicht leistet

Wer eine KI um ein Plakat bittet, bekommt ein Bild. Für ein Motiv ist das oft gut genug. Für den Auftritt einer Organisation reicht es aus mehreren Gründen nicht.

Die KI kennt das Logo nicht. Sie zeichnet etwas, das ungefähr so aussieht, in ungefähr dem richtigen Farbton. Wer das Logo hochlädt und um Übernahme bittet, bekommt es oft verzerrt, nachgezeichnet oder mit veränderten Proportionen zurück. Für eine Organisation, die Wert auf ihr Erscheinungsbild legt oder Fördermittelgebern ein korrektes Logo schuldet, ist das ein Problem.

Schriften wechseln von Bild zu Bild. Selbst wenn eine bestimmte Schrift im Auftrag steht, erzeugt die KI meist eine Annäherung. Zwei Plakate derselben Organisation sehen dann aus, als kämen sie von zwei verschiedenen Absendern.

Bei Text macht die KI immer noch Fehler, besonders bei Umlauten, langen Wörtern, Daten und Uhrzeiten. Aus „Sommerfest“ wird „Sommerfset“, aus 19:30 Uhr wird 19:03 Uhr. Wer das übersieht, druckt den Fehler 500-mal.

Ein KI-Bild lässt sich außerdem nicht gezielt korrigieren. Es besteht aus Pixeln, nicht aus einzelnen Elementen. Ändert sich der Termin, entsteht ein neues Bild, und das sieht anders aus als das alte, das vielleicht schon im Schaukasten hängt. Im Creator tauscht man eine Zeile aus, und alles andere bleibt, wie es war.

Eine KI liefert Einzelstücke. Eine Organisation braucht Serien: zwanzig Veranstaltungen im gleichen Look, ein Motiv als Plakat, als Sharepic und als Story, Urkunden für alle Teilnehmenden eines Kurses. Der Creator macht aus einem Entwurf mehrere Formate und erzeugt Serien aus einer Tabelle.

Und eine KI liefert keine druckfertigen Dateien. Druckereien erwarten ein PDF mit Beschnitt in der richtigen Auflösung, bei Faltflyern zusätzlich die richtige Seitenaufteilung. Social-Media-Plattformen schneiden Bildränder ab, die man kennen muss. Barrierefreie Grafiken brauchen ausreichenden Kontrast, lesbare Schriftgrößen und einen Alt-Text. Das alles prüft und erzeugt der Creator, die KI nicht.

Hinzu kommt eine rechtliche Unsicherheit. Ob und wie KI-Bilder urheberrechtlich geschützt sind und ob sie fremde Werke nachahmen, ist nicht abschließend geklärt. Grafiken aus eigenen Vorlagen mit eigenen oder lizenzierten Fotos sind dagegen eindeutig.

KI-Bilder sind im Creator trotzdem willkommen. Wer mit einem Bildgenerator ein Motiv erzeugt, setzt es in eine Vorlage ein. Logo, Farben, Schrift und die Zeile mit Datum und Ort kommen aus der Vorlage. So ergänzen sich beide.

Was die Organisation spart

Den größten Posten sehen viele erst auf den zweiten Blick: Abos. Wer regelmäßig mit KI gestaltet, stößt an die Grenzen der Gratis-Zugänge und schließt früher oder später ein bezahltes Abo ab, jede Person für sich. Bei mehreren Personen, die Grafiken machen, kommen so schnell mehrere tausend Euro im Jahr zusammen, oft aus eigener Tasche oder über Spesen und damit an der Haushaltsplanung vorbei. Im Creator braucht niemand ein Abo. Nur wenn die Organisation den Vorlagen-Generator nutzt, zahlt sie beim KI-Anbieter, was sie tatsächlich verbraucht.

Der Creator selbst wird einmal erworben. Laufende Lizenzkosten gibt es nicht. Das macht ihn im Haushalt einfach planbar.

Dazu kommen Kosten, die sich schlechter beziffern lassen, aber anfallen. Gestaltung muss nur einmal beauftragt werden: Eine Agentur entwirft das Grunddesign, die Varianten entstehen im Creator. Alte Flyer und Agenturentwürfe lassen sich als Vorbild nutzen und müssen nicht neu bestellt werden. Eine Grafik ist in Minuten statt Stunden fertig, was bei Teilzeitkräften und Ehrenamtlichen viel ausmacht. Die Kommunikationsabteilung prüft weniger nach, weil Logo, Farben und Schriften in den Vorlagen festliegen. Und Standardfragen beantwortet Huxley, sodass die Ansprechperson im Haus nicht jede neue Person einzeln einarbeiten muss.

Ein geregelter Weg statt privater Konten

Ein Punkt taucht in keiner Kostenrechnung auf und wiegt trotzdem schwer. Wenn eine Organisation kein Angebot macht, nutzen die Leute ihre privaten KI-Konten. Für ein Motiv mit Lampions ist das harmlos. Kritisch wird es, wenn Namen von Mitgliedern, Fotos von Kindern oder interne Unterlagen hineinwandern. Bei Gratis-Konten dürfen Anbieter Eingaben je nach Einstellung zum Training verwenden, und einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung gibt es für private Konten in der Regel nicht. Verantwortlich bleibt die Organisation, auch wenn sie von dem Konto nichts weiß.

Mit dem Creator gibt es einen freigegebenen Weg. Arbeitsstände und Vorlagen liegen im Browser oder auf dem Server der Organisation. Im Grundzustand baut der Creator keine Verbindung zu Dritten auf. Externe Dienste wie Fotosuche, Kartenausschnitt oder KI-Vorlagen kommen erst dazu, wenn die Organisation sie einschaltet, und dann mit einem Anbieter, den sie selbst gewählt und geprüft hat.

Auch die Abhängigkeit bleibt gering. Ändert ein KI-Anbieter seine Preise oder Bedingungen, schaltet die Organisation den Generator ab. Die Vorlagen bleiben, und das Team arbeitet weiter wie bisher.

Für Verbände, Mitgliedsorganisationen und Netzwerke

Am stärksten wirkt das alles dort, wo viele kleine Organisationen unter einem Dach arbeiten. In der Stufe Premium dürfen alle Untergliederungen, Mitgliedsorganisationen und Netzwerkpartner den Creator nutzen, zu allen Anlässen. Der Verband kann ihn auf dem eigenen Server betreiben.

Was Mitgliedsorganisationen davon haben

Eine Ortsgruppe oder ein kleiner Mitgliedsverein hat selten ein Budget für Gestaltung, fast nie eine eigene IT und keine Person, die sich um Datenschutz kümmert. Über den Verband bekommt sie trotzdem professionell gestaltete Vorlagen, ohne eigenen Vertrag, ohne eigene Installation und ohne eigene Datenschutzprüfung. Die Prüfung erledigt der Verband einmal für alle.

Mit dem Organisations-Modul stellt der Verband nicht nur Vorlagen bereit, sondern auch Textbausteine wie Förderhinweise und Kontaktzeilen, fertige Gestaltungselemente und Logos. Niemand muss Texte abtippen oder das Verbandslogo in einer alten E-Mail suchen. Die kleine Gruppe tritt so sorgfältig auf wie die Geschäftsstelle.

Mit der Logo-Leiste und einem Siegel wie „Mitglied im Netzwerk“ ist auf jeder Grafik sichtbar, wozu sie gehört. Die Logo-Leiste nimmt bis zu zwölf Logos auf, setzt sie optisch gleich groß und gliedert sie auf Wunsch mit Überschriften wie „Gefördert durch“. Das ist bei Gemeinschaftsplakaten mit vielen Partnern eine Arbeit, die sonst viel Zeit kostet.

Wenn Engagierte häufig wechseln, helfen Huxley, die Erklärvideos und die eingebauten Rundgänge bei der Einarbeitung. Der Verband muss nicht jede neue Person schulen.

Gemeinsame Kampagnen

Bei einem Aktionstag gibt der Verband eine Vorlage vor, und jede Gruppe trägt Ort, Termin und Ansprechperson ein. Am Aktionstag hängen dann Plakate im ganzen Land, die erkennbar zusammengehören. Viele Absender im gleichen Erscheinungsbild wirken stärker als ein einzelner Auftritt der Geschäftsstelle.

Einen Schritt weiter gehen Share-Pic-Kampagnen. Der Verband legt eine Kampagne mit Vorlage und bis zu vier Textfeldern an und teilt einen öffentlichen Link. Wer mitmachen will, öffnet den Link, wählt ein eigenes Foto, füllt die Felder aus und bekommt sein persönliches Sharepic im Look der Kampagne, ohne Anmeldung. Das Foto wird dabei nicht zum Server übertragen. Die Kampagne lässt sich auch auf der Website des Verbands einbetten, und in der Verwaltung zeigt eine Statistik, wie oft sie aufgerufen und wie viele Bilder erstellt wurden.

Die Rechnung im Netzwerk

Die Einsparung multipliziert sich mit der Zahl der Mitglieder. Bei 50 Mitgliedsorganisationen fielen sonst 50-mal Abos an, 50 Datenschutzprüfungen, 50 Gestaltungsaufträge und 50 Einarbeitungen. Über den Verband fällt das jeweils einmal an.

Und der Verband bekommt einen greifbaren Vorteil, den er seinen Mitgliedern anbieten kann. Das ist ein gutes Argument, wenn es um Mitgliederbindung und die Gewinnung neuer Mitglieder geht.

Ausprobieren

Ob der Creator zur eigenen Organisation passt, lässt sich in einer Viertelstunde herausfinden. Die Live-Demo läuft ohne Anmeldung im Browser. Am besten nimmt man eine der letzten eigenen Grafiken und baut sie dort nach. Nutzen, Technik, Datenschutz und Grenzen stehen auf zwei Seiten im Steckbrief für Entscheider*innen, die Lizenzstufen auf der Preisseite. Für Verbände und Netzwerke gibt es eine eigene Seite. Alles aus diesem Beitrag steht kompakt in der Broschüre „Was KI kann und wofür es den Creator braucht“ (PDF, 8 Seiten).